Self-Care nach einer Beziehung: Was es bedeutet, sich erst mal auf sich selbst zu konzentrieren

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Es ist ein obligatorischer Satz. Dieses „Ich möchte mich jetzt erst einmal auf mich konzentrieren“ fällt häufig am Ende einer Beziehung. Genau wie „Lass uns Freunde bleiben“, doch im Gegensatz dazu geht es von nun an statt ums UNS mehr ums ICH.

Man könnte ja vermuten, dass der Ausspruch eine Single-Phase einläutet, nach dem Motto: Eine neue Beziehung? Bloß nicht! In Wirklichkeit hat das aber nichts damit zu tun, ob man sich für eine neue Beziehung öffnet oder nicht, vielmehr dass man sich für die Selbstreflexion öffnet: „Generell kann es psychisch sehr gesund für jeden sein, nach einem Beziehungsende einmal inne zu halten und sich bewusst zu machen, wo man selbst im Leben gerade steht, was an der Beziehung gut war und wo es Herausforderungen gab. Welche eigenen Bedürfnisse gelebt werden konnten und an welcher Stelle stets Kompromisse nötig waren, die sich vielleicht im Nachhinein auch als faule Kompromisse entpuppen“, sagt Nicole Engel, Dipl.-Psychologin und unsere Expertin für Zwischenmenschliches.

Auf sich selbst konzentrieren? Der Reality-Check

Laut Expertin handelt es sich bei dem Ausspruch um eine mentale Standortbestimmung:  „Man überprüft, ob man noch die Werte und Bedürfnisse lebt und vertritt, für die man einst stand und ob sich aufgrund einer Beziehung Veränderungen in positiver oder negativer Hinsicht ergeben haben.“ Man kann für sich im Hinblick auf die 10 Themen Beruf, Beziehungen, Gesundheit, Vitalität/Fitness, Kreativität/Selbstausdruck, Attraktivität, Geld/Finanzen, Abenteuer/Intensität, Sinn/Spiritualität und Lebensstil/Umgebung abgleichen, ob die Lebensbereiche, die einem aktuell – vielleicht gerade aufgrund der beendeten Beziehung – wichtig sind, auch als qualitativ hoch erlebt werden oder ob etwas fehlt. Es ist also nichts anderes als eine Bestandsaufnahme: Führe ich noch die Hobbies aus, die ich liebe? Habe ich meinen Freundeskreis aufgrund meiner Beziehung vernachlässigt? Habe ich mich verstellt, um meinem bisherigen Partner*in zu gefallen? Was macht mir eigentlich richtig Spaß? In welchen Momenten fühle ich mich empowered?

Durch das auf sich selbst konzentrieren wird somit der Fokus wieder mehr auf mein ICH anstelle eines WIRs gelegt. Man hat die Chance, sich seiner selbst bewusster zu werden, was deutliche Auswirkungen auf ein positives Selbstbewusstsein hat, auch wenn dieses nach dem Scheitern einer Beziehung oftmals im Keller scheint. Nicole Engel

Wir reden hier von Selbstliebe – da gehört die regelmäßige Inventur der Gefühle auch dazu. Nur wenn wir uns bewusst machen, was uns glücklich und unglücklich macht, können wir unser (Liebes-)Leben in Zukunft nach unseren Wünschen designen, das bestätigt auch Nicole Engel.  „Diese Reflexion ist wichtig, um für sich zu schauen, welche Themen es gibt, an denen man an sich etwas ändern möchte und kann, um in der nächsten Beziehung nicht wieder in gleichen Beziehungsmustern zu landen – was häufig passiert, wenn eine derartige Reflexion fehlt.“ Ihrer Meinung nach, kann es unterstützend sein, mit einer unabhängigen Person darüber zu reden und diese Reflexion ehrlich anzugehen, weil wir uns die klare Sicht auf die Dinge oft selbst trüben. Klar, es ist auch einfacher dem oder der Ex Schuld zuweisen oder Schmerzhaftes schön zu reden, anstatt es nochmal durchzukauen. Aber das ist die Voraussetzung, um die alten Themen nicht von Beziehung zu Beziehung zu schleppen.

Selbstreflexion schließt die neue Beziehung nicht aus

Also: Jeder darf eh nach einer Trennung machen, was sich gut anfühlt – schön ist halt, wenn man es bewusst macht. Bewusst tindern? Super! Bewusst sich auf was Neues einlassen? Auch super! Bewusst Zeit mit sich allein verbringen als Couch-Potaoe? Super duper! O-Diaries feiert im Februar 2018 ja den Me-Month, der im Zeichen der Selbstliebe steht, also sagen wir doch an dieser Stelle einfach mit gutem Gewissen – und egal an welcher Stelle wir gerade im Leben stehen – einmal gemeinsam: Jeder muss sich jetzt erstmal auf sich selbst konzentrieren. Am besten gemeinsam.


Autorin: Edith Löhle

Photo by Simon Migaj on Unsplash

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