Wie wir Frauen uns in der Emanzipation manchmal selbst im Weg stehen

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Dafür gibt es viele unterschiedliche Ursachen, wovon die meisten bei den Männern gesucht werden. Das ist ein sehr einseitiger Blick auf einen Prozess, der viel Weitsicht verlangt. Wir Frauen machen Fehler, die uns selbst die Emanzipation kosten könnten, findet unsere Autorin.

Die Schuldigen in den eigenen Reihen

Ich erlebe es regelmäßig in unterschiedlichen Situationen: Im Café, im Büro, auf der Straße, im Club: Frauen ziehen über andere Frauen her, sie beäugen sich argwöhnisch, setzten einander herab, behandeln sich untereinander unfair. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig: schlechte Erfahrungen, Eifersucht, Neid. Schnell wird klar – die Gründe sind oberflächlich und kleingeistig. Es gibt keinen akzeptablen Grund dafür, sich gegenseitig schlecht zu behandeln. Selbst „verbale Handlungen“ gegeneinander, halten die Emanzipation auf.

Das emanzipatorische Erbe in Gefahr

Ein besonders bedenkliches Phänomen ist das sogenannte „Slut Shaming“. Dabei werden Frauen aufgrund ihrer Kleidung oder ihres sexualisierten Verhaltens abgewertet und das zumeist von anderen Frauen. Andere Generationen von Feministinnen haben sich erst das Recht erkämpft, sich so frei kleiden zu können wie sie wollen. Löschen wir die brennenden BH’s der emanzipatorischen Bewegungen der 68er derzeit mit unseren gehässigen Kommentaren?

Emanzipation: Wir sollten eine starke Einheit bilden

Wir spielen den Gegnern der Emanzipation mit diesem Verhalten gut in die Karten, wenn wir uns von oberflächlichen Vorurteilen leiten lassen und missgünstiges Verhalten an den Tag legen. Wie soll man uns dann ernst nehmen? Leider bestätigen wir damit Klischees, dass uns Äußerlichkeiten wichtiger sind als Inhalte. Wer uns in solchen Momenten als „Zicken“ bezeichnet, hat damit nicht Unrecht und die politische Arbeit von vorbildlichen Feministinnen wird mit Füßen getreten. Nur Zusammenhalt und Solidarität sind dem entgegenzusetzen.

„Wer frei ist von Schuld werfe den ersten Stein“

Während ich diese Worte schreibe, werde ich rot und ein unangenehmes Gefühl macht sich in meiner Magengegend breit. Es ist das Gefühl von Scham und Scheinheiligkeit, denn das letzte Mail als ich Verrat am Feminismus begangen habe, liegt nur wenige Tage zurück. Ich bin im Club und vor mir tanzt ein leichtbekleidetes Mädchen, das wild ihre Hüften und Brüste schwingt. Beim Anblick ihres Tanzes dachte ich einige be- und abwertende Gedanken, die ich nicht wiederholen möchte, denn sie waren unfair und alles andere als solidarisch. Ich hätte denken sollen: „Go Girl! Schwing, was Du zu schwingen hast“ oder „Wie schön, dass Du Deine Weiblichkeit so offen zelebrierst.“ Stattdessen ließ ich Neid und Vorurteil meine Gedanken beherrschen.

Komplimente statt missgünstiger Kommentare

Nun habe ich meinen Fehler auch eingesehen und gebe mein Bestes daran, dieses Verhalten zu vermeiden. Es ist enorm wichtig, dass wir uns solidarisieren, unsere Rechte verteidigen und uns gegenseitig stärken. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen wieder mehr Komplimente an mein Umfeld zu verteilen, anstatt oberflächliche Gedanken zu denken.

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Autor

Fitness Trainerin, Bloggerin für Louise et Hélène, Fotografin und Schildkröten-Mama: Konstanze ist bereits in viele Rollen geschlüpft. Ihre feste Überzeugung: Das Leben ist ein Spielplatz, wo man jeden Tag neue spannende Dinge entdecken kann. Neugierde und Tatendrang bewegen Konstanze zum Schreiben. Ihr Steckenpferd: Die Rolle der Frau in gesellschaftlichen Spannungsfeldern. Was bedeutet es, eine Frau zu sein? Welche Herausforderungen bringt das mit sich? Wie kann ich meine Weiblichkeit ehrlich ausleben? Und wo ist die Balance zwischen Körperkult und Body Positivity? Ohne Dogmatismus und mit viel Humor begibt sie sich auf die Suche nach Antworten.