Kuscheln oder Sex: Wie definierst DU Intimität?

how do you define intimacy

Sex? Knutschen? Kuscheln? Händchen halten? Ein tiefes, bedeutungsvolles Gespräch? Was ist eigentlich Intimität? Laut Lexikon für Psychologie versteht man darunter die “Fähigkeit zu zwischenmenschlichen Beziehungen”. Das kann jetzt für jeden natürlich etwas völlig anderes bedeuten. Die eigentliche Frage sollte also lauten, wie man selbst Intimität definiert. Und genauso wichtig ist: Was versteht Dein Partner darunter?

Was hältst Du von…

…Intimität? Manche Menschen gehen automatisch davon aus, dass es sich dabei um Sex handelt. Aber das ist nicht bei jedem so. Manche haben auch eher eine romantische Vorstellungen davon, z.B. sich in die Arme des Partner zu kuscheln. Wieder andere stellen sich darunter vor, gemeinsam  Spazieren zu gehen oder einfach nur auf der Couch zu sitzen und Händchen zu halten. Eines der wichtigsten Dinge, die Du für Dein Glück und Deine Zufriedenheit in jeder Beziehung tun kannst, ist zu überlegen, wie Du Intimität definierst.

Der einfachste Weg, das zu tun, ist, einfach die Augen zu schließen und sich vorzustellen, gerade mit jemandem intim zu sein. Vielleicht kommst Du Dir dabei irgendwie ein bisschen albern vor, aber das liegt nur daran, dass Du davon ausgehst, dass jeder das gleiche Bild von Intimität hast wie Du. Aber das stimmt nicht. Du bist ein einzigartiges Individuum. Du hast Deine eigenen einzigartigen Bedürfnisse und Wünsche, die nur dann erfüllt werden können, wenn sie auf eine auf Dich zugeschnittene Weise erfüllt werden.

Dein Partner ist ebenso einzigartig in seinen Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Vergiss Deinen Partner nicht!

Dein Partner ist ebenso einzigartig in seinen Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten. Nur weil für Dich ein Kuss vor dem Schlafengehen Intimität bedeutet, heißt das noch lange nicht, dass Dein Partner das auch so empfindet. Er könnte Intimität auch eher als eine liebevolle Rückenmassage oder eine andere körperliche Berührung sehen. Wird seine Definition nicht erfüllt wird, kann das zu Unzufriedenheit führen. Genauso wie Du unzufrieden bist, wenn Deine Bedürfnisse nicht so erfüllt werden, wie Du denkst, dass sie es sollten. Die Wahrheit ist: Ihr seid beide überzeugt davon, dass Ihr versucht, die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen. Ihr habt nur völlig unterschiedliche Definitionen von Intimität. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass Du ganz genau weißt, was für Deinen Partner Intimität bedeutet.

Die Zeit verändert alles!

Die Country-Sängerin Merle Haggard schrieb einmal: “Man sagt, die Zeit verändert alles, was Dich betrifft, aber Dein Gedächtnis ist stärker als die Zeit.” Es ist wahr, die Zeit verändert viele Dinge. Unser Aussehen, unsere Gefühle und wie wir über bestimmte Dinge denken – zum Beispiel über Intimität. Nur weil Du mit Anfang 20 Intimität als Oralsex definierst, heißt das noch lange nicht, dass Du das auch in Deinen 50er oder 60er Jahren tun wirst. Es ist also wichtig, Deine Einstellung zu Intimität immer wieder neu zu bewerten. Wenn Du in einer festen Beziehung bist, solltest Du auch gelegentlich Deinen Partner fragen, wie er aktuell über Intimität denkt. So könnt Ihr in regelmäßigen Abständen immer mal wieder Eure Auslegung von Intimität aneinander anpassen.

Wundere Dich nicht…

… wenn Dein Partner früher mal Sex als Intimität angesehen hat und heute darunter eher eine tiefgründige Unterhaltung versteht. Oder umgekehrt. Manche Menschen betrachten Intimität zunächst als ein bedeutungsvolles Gespräch, und dann, wenn sich die Beziehung verfestigt, verändert sich ihre Definition von Intimität zu etwas Sexuellem. Es gibt hier kein falsch. Und nur weil für Deinen Partner vielleicht  Händchenhalten etwas sehr Intimes ist, heißt das nicht, dass er nicht auch Sex haben möchte. Die Hauptsache ist, dass Du weißt, wie DU Intimität definierst, und dass Du verstehst, dass Dein Partner möglicherweise eine andere Auslegung davon hat. Und dass Du versuchst, die Bedürfnisse Deines Partners zu erfüllen.

Immer wieder kommen Menschen zur Therapie, zur Einzeltherapie oder zur Paartherapie, weil ihre Bedürfnisse in ihrer Beziehung nicht erfüllt werden. Dein Partner ist sich dessen oft nicht bewusst und hat das Gefühl, dass er doch stets versucht hat, auf Deine Wünsche einzugehen. Oft fehlt es an Verständnis und Kommunikation. Im März werde ich einen Artikel über die Bedeutung von Kommunikation in Beziehungen schreiben – und darüber, wie man lernt, es in seiner Beziehung richtig gut hinzukriegen. Das solltet Ihr nicht verpassen, also stay tuned!

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Autor

Dr. Christopher Jones ist Psychologe, Sex Therapeut und betreibt den Blog "Confessions Of A Sex Therapist". Der US-Amerikaner lebt und lehrt an der Universität Mainz. Als Experte für menschliche Sexualität führte er eine vielbeachtete Studie über die Beziehung zwischen Geschlechtsidentität, Sexualität und Religion durch. Dr, Christopher Jones wird in verschiedenen Medien wie Huffington Post, Cosmopolitan, GQ oder dem Oprah Magazine zitiert und schreibt hier auf O*Diaries. Weitere Informationen findet ihr unter www.clinicalsextherapist.com.