Feminismus für Männer – wir müssen reden

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Feminismus für Männer ist für viele ein Schimpfwort. Das muss sich ändern, findet unser Autor, und plädiert für mehr Lockerheit und das Erlernen neuer Sprachen.

Ich lerne gerade Italienisch. Das erweitert den Horizont und macht Spaß. Beim Erlernen einer neuen Sprache gibt es eine Besonderheit: Schimpfwörter werden – warum auch immer – schon recht früh ein Thema. Im Freundeskreis wollte man prompt wiss,en, wie weit ich damit schon sei. Man rief mir einige gängige Ausdrücke zu, von denen ich tatsächlich einige schon übersetzen konnte. Mein Freund Olaf schlug dabei eine Beschimpfung vor, die mich stutzig machte: „Feminist“. Ich wandte ein, dass Feminist für mich eher kein Schimpfwort sei. Daraufhin herrschte für einen Moment Stille. Dann sagte Olaf, als Feminist bezeichnet zu werden, sei für ihn in etwa so angenehm, wie ein plötzlicher Nieser in den aufgesetzten Motorradhelm. Feminismus für Männer unangenehm? Erstaunt über die unerwartete Einstellung meiner Freunde, ließ ich das Ganze zunächst auf sich beruhen.

Im Grunde geht es beim Feminismus um eine Selbstverständlichkeit: für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und gegen Sexismus in all seiner Ausprägung einzustehen.

Jedoch: Die Situation nagte an mir und so wollte ich es genauer wissen. Ich fragte – zunächst mich, dann Google –, was Feminismus überhaupt bedeutet. Die Erklärung, die Wikipedia anbietet, ist leider recht sperrig und kaum dazu angetan, Sympathie für die Sache zu erzeugen. Im Grunde geht es beim Feminismus um eine Selbstverständlichkeit: für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und gegen Sexismus in all seiner Ausprägung einzustehen.

Feminismus für Männer – wann ist ein Mann ein Mann?

Warum also erscheint Feminismus für Männer so schwer? Warum gehen manche sogar so weit, den „Feministen“ als Schimpfwort einzuordnen? Nach einigem Nachdenken fällt mir nur eine logische Erklärung ein:

  • Angst
  • Tradition und
  • Gewohnheit.

Für die Rechte von Frauen einzustehen, scheint manchen nur denkbar mit einer einhergehenden Schwächung der eigenen Position. Und außerdem: Mann war doch schon immer überlegen – wer hat denn einst die Höhle mit dem Knüppel verteidigt?! War so, ist so, bleibt so? Männer haben’s schwer, nehmen‘s leicht – das wissen wir seit Grönemeyer. Aber was hat Mann eigentlich zu verlieren, wenn Frau grundsätzlich genauso behandelt wird wie er selbst? Unter uns Männern ist das Leistungsprinzip anerkannt  und selbstverständlich – warum wird dies außer Kraft gesetzt, sobald die leistende Person chromosomal XX- statt XY-geprägt ist? Dieser Zustand ist irritierend und fragwürdig, denn man muss zwei Dinge ja mal festhalten: Ohne Frauen geht es nicht und Frauen sind oftmals, nun ja, sogar die stärkeren Männer, wofür es eine ganze Reihe von Beispielen gibt. Geht man zurück an den Anfang der Menschheitsgeschichte, landet man bei Adam und … richtig! Ohne Eva a.k.a. Frauen gäbe es uns alle gar nicht. Allein das wäre Grund genug für die Gleichbehandlung. Hinzu kommt: Frauen sind häufig widerstandsfähiger als Männer und leisten mindestens genauso viel. (Hierzu sei kurz an den Akt der Geburt erinnert oder an die Abwesenheit des weiblichen Pendants für Männerschnupfen.)

Das ärmere Geschlecht, nicht das schwächere

Trotzdem ist Feminismus für Männer häufig ein Tabu, trotzdem herrscht weiterhin Ungerechtigkeit, was Anerkennung und Entlohnung angeht. Meine Frau zum Beispiel arbeitet als Krankenschwester auf einer Intensivstation für Frühgeborene. Sprechen wir über unseren Arbeitsalltag (hier der Kampf um Leben und Tod, dort der Kampf um die richtigen Worte), fühle ich mich nicht selten schlecht. Denn obwohl sie einiges mehr für die Gemeinschaft leistet als ich, verdient (oder besser bekommt) sie nicht annähernd so viel wie ich. Dafür einzustehen Frauen gleich zu behandeln, sollte für jeder Mann genauso selbstverständlich sein wie der respektvolle, gleichberechtigte Umgang mit anderen Anderen. Denn ob Frau oder Mann, alt oder jung, homo- oder heterosexuell, Inländer oder Ausländer – eins ist doch klar: Am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass wir alle zwar verschieden, aber im Grunde doch gleich sind. Nämlich ganz einfach Menschen. Ich für meinen Teil stelle fest, dass man auch als Mann Feminist sein kann, ja sogar sein muss. Und werde Olaf und jedem anderen, der sich daran stört, Männer und Feminismus in Einklang zu bringen, künftig ganz bewusst erwidern: „Vaffanculo!“ Denn das ist, so viel habe ich im Italienischkurs gelernt, unbestritten ein echtes Schimpfwort …

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