Schluss mit „Powerfrauen“! Warum mir der Begriff auf den Senkel geht

„Powerfrauen“ stehen als Sinnbild für emanzipierte und erfolgreiche Frauen, die ihr Leben zwischen Beruf und Alltag perfekt meistern. Warum unsere Autorin selbst keine Powerfrau sein will und warum der Begriff dringend aus dem Wortschatz gestrichen werden sollte, erfahrt ihr in ihrer Kolumne

Geschichten einer Powerfrau

Martinas Wecker klingelt schon um 6 Uhr morgens, denn sie hat heute wieder viel vor. Nachdem sie ihre Kinder geweckt und ihnen Frühstück gemacht hat, bringt sie – perfekt gestylt – ihren Nachwuchs auf dem Weg zur Arbeit noch bei der Kita vorbei. Mit im Gepäck: die Lunchbox. Denn statt Convenience Food gibt es für den eigenen Nachwuchs natürlich nur das beste Essen in Bioqualität, täglich frisch von Mama zubereitet. Im Büro wartet dann bereits ein voller Meetingraum auf Martina. Selbstverständlich ist sie bestens vorbereitet. Für ihre Präsentation, an der sie bis in die Puppen gesessen hat, bekommt sie nicht nur Standing Ovations von den eigenen Mitarbeiter*innen, sie zieht damit auch direkt einen kaufkräftigen Kunden an Land. Und das, obwohl ihr ein Kollege erst kürzlich nahe legte, dass sie im Kleid sicher erfolgreicher wäre. Doch solche Sprüche lächelt Martina einfach höflich weg. Nach einem langen Arbeitstag kehrt Martina nach Hause zurück. Auf dem Rückweg hält sie noch kurz am Supermarkt, das Lieblingsmüsli ihres Mannes ist alle, schreibt er. Nach dem Abendessen macht Martina noch schnell den Abwasch, bringt ihren Nagellack in Ordnung und läuft 5 Kilometer um den Block. Schließlich will sie in Form bleiben. Martina ist eine richtige Powerfrau.

Und sie steht kurz vor dem Burnout.

Powerfrauen – Beschönigung eines Martyriums

Auch wenn Martina frei erfunden ist, es gibt sie wirklich. Sie ist in den Köpfen all derer, die meinen, Frauen können alles sein, und zwar zur selben Zeit. Powerfrauen eben. Was aber meint dieser Begriff eigentlich? Meist beschreibt er Frauen, die Karriere machen und trotzdem noch ihr Familienleben auf die Reihe kriegen. Frauen, die Überstunden schieben und dann zu Hause mit einem Lächeln noch eine Schicht dran hängen. Was viele dabei nicht bedenken: Frauen können nicht nur alles sein, sie müssen es häufig auch. Denn die meisten von ihnen haben nicht die Wahl zwischen ihrer traditionellen Geschlechterrolle und Karriere. Sie bekommen trotz beruflichem Erfolg nur wenig Unterstützung im Haushalt oder bei der Kindererziehung und andersherum auch nur wenig Flexibilität und Verständnis im Berufsalltag. Da ist der mental overload nicht mehr weit.

Kurz: es ist überhaupt gar nicht erstrebenswert eine Powerfrau zu sein. Stattdessen lenkt diese utopische Vorstellung der „starken Frau“ von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten ab, die noch immer existieren. Denn anstatt die Situation für Frauen gesellschaftlich und politisch zu verbessern, wird suggeriert, es wäre schlicht nur die Aufgabe der Frau powerful zu sein und alles alleine zu machen. No way!

Schönes Kompliment, oder?

Zweifelsohne ist der Begriff „Powerfrauen“ oft gut gemeint. Man findet ihn auch auf feministischen Blogs und als empowernde Botschaften. Wer diesen Begriff benutzt, will anderen Frauen oft Bewunderung ausdrücken. Besonders beliebt ist beispielsweise das weithin bekannte Werbeplakat der fiktiven Rosie the Riveter. Sie wurde während des zweiten Weltkriegs zur Kult-Ikone einer US-Werbekampagne für die Anwerbung von Frauen in die Rüstungsindustrie. „We Can Do It“, hochgekrempelte Ärmel, entschlossener Gesichtsausdruck – zweifelsohne ein feministisches Sinnbild für arbeitende Frauen. Aber was ist mit all den arbeitenden Frauen, die keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen? Oder alleinstehende, kinderlose Frauen, die keine Doppelbelastung haben? Sind die nicht stark? Und was ist eigentlich das Gegenteil von „Power“? Mein Englischlexikon gibt die Antwort: Schwäche, Fehler, Gebrechlichkeit. Klar, doch! Wenn ich als Frau auf mich selbst höre, meine Grenzen akzeptiere, die mir zustehende Gleichberechtigung und Unterstützung einfordere – dann bin ich schwach. Dann bin ich nicht genug. So gut gemeint das zweifelhafte Kompliment Powerfrauen also auch sein mag; es erhöht gleichzeitig den Druck auf Frauen, sich weiter aufzuopfern ohne sich zu beschweren.

Powerfrau, Powermoslem, Powerbehinderter

Was für ein Begriff: Powerfrau. Es muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden, dass es selbstverständlich keine Powermänner gibt. Denn Stärke liegt dem männlichen Geschlecht schließlich in den Genen (*Ironie off*). Stattdessen wird schon Mädchen suggeriert, sie müssten Power haben. Am besten geht das natürlich mit einem rosa „Grl Pwr“ Rucksack oder einem „Smashing the patriarchy is my cardio“ T-Shirt. Pink Painting statt Green Washing. Aber übertragen wir den Power-Sprech doch mal auf andere Minderheiten oder vulnerable Personengruppen. Man stelle sich nur einmal vor, man spräche von Powerbehinderten! Spoiler: es wäre ein Shitstorm-Garant. Denn was würde eine gehandicapte Person wohl leisten müsste, um ein Powerbehinderter zu sein? Würde es reichen, sich selbst versorgen zu können oder muss es schon ein sozialversicherungspflichtiger Job sein? Es braucht nicht vieler Worte damit klar wird: der Power-Begriff ist ein absolutes No Go. Ob für Frauen oder sonst wen.

Schluss damit!

Deshalb: Schluss damit! Denn alle Frauen sind Powerfrauen. Egal ob Hausfrau mit Kind, kinderlose Polizistin oder Alleinerziehende Single-Mutter und Top-Managerin. Wir alle müssen uns tagtäglich erneut im Patriarchat beweisen und durchsetzen. Und das macht uns alle zu starken Frauen, die es verdient haben, auch so wahrgenommen zu werden.


Autorin: Lea Thin

Photo by Brooke Lark on Unsplash

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