Was für ein Jahr! Ein Jahr voller Lust, Höhepunkte, offener Dialoge, Aufklärung und sexueller Aha-Momente. Zumindest für die Mitglieder der O*Diaries Redaktion.
Mit einem breiten Grinsen laufe ich die Straße herunter. Können die anderen es mir ansehen? Ich richte meine Sonnenbrille, fahre mit meinen Fingern durch meine Haare, versuche mich zu ordnen. Lass dir bloß nicht anmerken, dass du gerade mit einem völlig Fremden Sex hattest.
Ich sprinte zur Tram. Sie droht gerade wegzufahren. Ich setze mich auf den ersten freien Platz und atme zum ersten Mal richtig durch. Was ist da eigentlich gerade passiert? Ich krame in meiner Tasche nach meinem Handy. Zehn ungelesene Nachrichten, drei verpasste Anrufe von Lena: “Hey, bist du noch dort? Ist alles in Ordnung?”
Zurück aufs Pferd
Verdammt, ich hab’s ganz vergessen: Ich habe Lena geschrieben, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe. Seit Wochen ist sie mein Fels in der Brandung. Die Trennung von Oskar traf mich unvorbereitet und bevor ich richtig drüber nachdenken konnte, musste ich mich auf einmal auf Wohnungssuche begeben. Mein Leben komplett neu ausrichten. Lena ist für mich da und sorgt für die nötige Portion Arschtritt, um mich aus meiner Lethargie zu befreien. Seit Wochen versucht sie mich mit potentiellen Kandidaten zu verkuppeln, um mein Liebesleben wieder in Schwung zu bringen. Aber ich bin einfach noch nicht soweit. Die Vorstellung den ersten Schritt zu machen und doch zurückgewiesen zu werden, ist einfach noch zu viel für mein geschundenes Herz.
Es geht doch nur um einen Tisch
Doch Lena gibt nicht auf. “Vielleicht ist der Typ ja heiß”, witzelt sie, als ich auf eine Kleinanzeige für einen Schreibtisch antworte, den ich dringend für meine neue Wohnung brauche. “Oder er ist ein Seriemörder”, entgegne ich ihr, um ihren Enthusiasmus zu bremsen. Wir einigen uns darauf, dass ich ihr direkt Bescheid gebe, wenn ich aus der Wohnung raus bin und ihr Bilder vom Tisch zuschicke, damit wir zusammen entscheiden können.
Trotz alledem fahre ich mit einem mulmigen Gefühl zu Sasha, der seinen Schreibtisch aus Platzgründen abgeben will. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich zu einem wildfremden Mann in die Wohnung fahre. Ich habe zwar keine wirkliche Angst. Doch mir wird klar, dass ich seit der Trennung unbewusst den direkten Kontakt mit Männern gemieden habe, um mich selbst zu schützen. Ich bleibe vor der Haustür stehen und atme kurz durch. Reiß dich zusammen, es geht doch nur um einen Tisch.
Gar nicht mein Typ
Sasha ist nicht sehr groß, dafür aber sehr muskulös und sehr blond. Eigentlich gar nicht mein Typ. Als er mich sieht, lächelt er verschmitzt über beide Ohren – und mein Herz rutscht mir plötzlich in die Hose. Er berührt mich sanft an der Schulter: “Komm rein, hast du gut hergefunden?” Irgendwas ist an ihm, dass meine Knie weich werden lässt. Er wirkt hart und männlich, aber gleichzeitig auch zart und einfühlsam. Seine Wohnung ist wunderschön eingerichtet, alte Holzmöbel werden von riesigen grünen Pflanzen benachbart. Alles wirkt, als könnte man hier Ewigkeiten verbringen. Die Zeit steht still.