Let it grow! Wieso wir der weiblichen Körperbehaarung eine Chance geben sollten

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Ich bin eher so der dunkle Haartyp und das Thema Körperbehaarung war spätestens seit der Pubertät bei mir ein Dauerbrenner. „Sind das da Haare in deinem Gesicht? Das sieht ja aus wie bei einem Affen“, durfte ich mir im zarten Alter von 13 Jahren von einer Mitschülerin im Sportunterricht anhören. Das hat gesessen und schnell wollte ich weder Haare im Gesicht, an den Armen oder Beinen haben.

Daheim am Abendbrottisch war das ein großes Thema. Meine Eltern sahen nicht ein, wieso ich in so jungen Jahren schon zum Rasierer greifen sollte. Ich argumentierte: Alle anderen Mädels in der Klasse tuen es auch. Und so durfte auch ich bald meinen neuen Nassrasierer über den Körper gleiten lassen und mich fühlen wie eine vermeintliche Göttin.

Haare sind heutzutage ein echtes Politikum

Mit 30 bin ich beim Thema weibliche Körperbehaarung entspannter geworden. Aber ich sehe auch, dass unsere Gesellschaft noch immer am Schönheitsideal der aalglatten Frau festhält. Eigentlich sollten Frauen nur Haare auf dem Kopf haben und da dann bitte eine prächtige Mähne. Lange Wimpern und buschige Augenbrauen sind ebenfalls gefragt. Aber hey! Nicht wie bei Theo Weigel, versteht sich. Weibliche Körperbehaarung an den Achseln, an den Beinen, im Scham, ist hingegen aber ein no-no und das wird uns Frauen auch überall verdeutlicht.

Es regt sich zwar langsam Widerstand. Aber zum allgemeinen Haarlostrend wirkt dieser eher wie ein laues Lüftchen. Zwar lassen sich heute viele Frauen ihre Achselhaare wachsen, dürfen sich dafür dann aber direkt mit Nena-Sprüchen konfrontiert sehen oder werden in die Öko-Feministin-Schublade gesteckt. Das Beinhaar wachsen oder gar die Schambehaarung sprießen zu lassen – dafür bedarf es auch heute etwas mehr Mut. Denn es passt nicht in das Schönheitsbild unserer Gesellschaft.

„Mit Pofalte“?

Das ist eigentlich völlig absurd, denn die weibliche Körperbehaarung unterscheidet eine ausgewachsene Frau (neben diverser anderer Dinge) eben von einem kleinen Mädchen. Das gilt natürlich auch für andere Geschlechter. Der Haarwuchs setzt ja in der Regel erst zur Pubertät sein. Und trotz dieses Wissens findet frau sich dann doch wieder im Beauty-Salon mit der Frage konfrontiert „mit Pofalte?“ Nicht einmal diese Region bleibt verschont und alles wird rasiert, gewachst, enthaart, gelasert oder epiliert.

Haben Haare am Körper überhaupt eine Daseinsberechtigung?

Es lebt sich ja zugegebenermaßen auch ganz gut ohne Haare am Körper. Diese haben heute ihre Sinnhaftigkeit verloren. Sie schützen nicht mehr wirklich vor Kälte. Das tun die Daunenjacken. Dank übermäßiger Körperhygiene muss auch kein Haar mehr vor Bakterien schützen. Dennoch hat die weibliche wie männliche Körperbehaarung ja eine Berechtigung, wie alles andere an so einem Körper eben auch. Wer von uns hat nicht auch schon mal darüber nachgedacht sich diesen Stress nicht mehr anzutun und einfach der Natur freien Lauf zu lassen?

Ich muss zugeben: Bei mir hält das leider nie lange an. Die Achselhaare wachsen zu lassen, klappt bei mir aus Wohlfühlgründen irgendwie nicht recht. Rasiere ich vier Tage nicht, nerven die Stoppeln so sehr, dass ich sie doch wieder abrasiere. Und obwohl ich gerne mal das Haar unter den Armen sprießen lassen würde: Ich unterliege am Ende dann doch dem Zwang der Ideale – wie viele andere auch.

Und wie sieht es im Schritt aus?

Arme, Beine, Achseln, Oberlippe, großer Fußzeh; keine Frage, das muss alles glatt sein. Doch der Intimbereich stellt da wohl eine Ausnahme dar, denn da scheiden sich auch heute noch die Geister, was jetzt der perfekte Spagat aus sexy, hygienisch und trotzdem fraulich ist. Cameron Diaz erklärte in The Other Woman sehr ausführlich, dass Frauen ein bisschen was stehen lassen sollen. Wie ein Feigenblatt. Meist wird uns aber suggeriert, dass nur der Kahlschlag annehmbar wäre, vor allem für unsere Sexualpartner. Denn wer möchte denn jemand anderen schon die eigene Körperbehaarung zumuten. Übrigens der Date-Klassiker: Vor dem Date nicht rasieren, weil beim ersten Treffen sowieso nichts laufen würde. Dann passiert doch mehr und man muss das Ganze abbrechen, weil man das Haardilemma nicht präsentieren mag. Wie oft habe ich das schon gehört und sicher auch schon selbst erlebt.

Weibliche Körperbehaarung? Mut zum Pelz

Die ganze Problematik schwappte übrigens vor einigen Jahren auch auf die Männerwelt über, die nun häufig auch nicht mehr wissen, was nun okay ist oder schon absolut nicht zumutbar.

Anstatt diesen Wahnsinn weiter zu verbreiten, sollten wir uns doch alle einfach mal wieder etwas entspannen. Es sollte sich niemand für die eigene und ganz natürliche Körperbehaarung schämen. Und wir dürfen ruhig selbst entscheiden ob glattgeföhnt, gewaxt, gestutzt, gefärbt oder in Herzform – denn letztlich müssen wir uns mit unserer Behaarung wohlfühlen. Und deswegen gebe ich meinen Achselhaaren noch mal eine Chance.


© Photo by Billie at Unsplash.com

Autorin: Victoria Van Violence

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