Ich will keine Kinder – ob es euch gefällt oder nicht

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Erst kürzlich habe ich meinen 29. Geburtstag in vollen Zügen gefeiert. An solch einem Jubiläum, komme ich immer wieder in Erklärungsnot in Sachen Zukunftsplanung, denn ich will keine Kinder, aber offenbar möchte mein Umfeld das nicht verstehen – Schluss damit!

Mein Uterus – meine Entscheidung

Ich bin weiblich, gesund und in einem fruchtbaren Alter – damit entspreche ich den gesellschaftlichen Kriterien eines idealen menschlichen Brutkastens. Ich bin allerdings der Meinung, dass ich dieser Herausforderung nicht gewachsen bin. Für mich sprechen deutlich mehr Argumente für ein kinderloses Leben. Einige sind vernünftiger, manche emotionaler und andere sogar egoistischer Natur. Mein Hauptargument dabei lautet: Es ist mein Uterus und ich möchte weder über ihn verhandeln, noch mich dafür schämen müssen, dass ich ihn nicht teilen werde.

Ich will keine Kinder, denn: Nicht mal ich genüge meinen Ansprüchen

Ich habe verhältnismäßig hohe Ansprüche an mich selbst, was mich ständig in die Auseinandersetzung mit existentialistischen Fragen bringt: Wie verhalte ich mich moralisch richtig? Welche Rolle spiele ich in dieser Gesellschaft und wie kann ich meinen Teil beitragen? Wie sieht ein verantwortungsvoller Umgang mit Konsum aus? Und das ist nur ein Ausschnitt aus dem Fragenkatalog, der mich bewegt. Mit meiner Suche nach zufriedenstellenden Antworten auf diese kniffligen Fragen, bin ich noch lange nicht am Ziel. Ich sehe mich aufgrund dessen der Verantwortung nicht gewachsen, ein Lebewesen in die Welt zu setzen, dass einen gewinnbringenden Teil zur Gesellschaft beiträgt – denn das würde ich wahrscheinlich von meinem Spross verlangen.

Eine Frage der Verantwortung

Der Sommer war super – super besorgniserregend. Die klimatischen Auswüchse weltweit sind mehr als nur ungewöhnlich und schreien laut „Klimawandel!!“. Ich fühle, dass sich die Folgen dessen unserer Vorstellungskraft entbehren. Das Leben, auf unserer einst so schönen Erde, wird immer schwieriger werden ­– in dieses Chaos soll ich ein Kind setzen?! Ganz zu schweigen von den populistischen, intoleranten und mitunter menschenverachtenden Staatsoberhäuptern, die zum Teil regieren und unsere Gesellschaft prägen. Ich bin keineswegs davon verängstigt. Ich möchte nur lieber meine Energien nutzen, um zu einer besseren Gesellschaft für Eure Kinder beizutragen, als selbst welche zu machen.

Ein Leben ohne Kinder – hoch lebe der Egoismus

In meiner Kindheit war es unserer Familie nicht möglich zu verreisen – weiter als Tunesien sind wir nicht gekommen und meine Erinnerung daran ist so blass, wie meine weiße Haut. Daher habe ich so viele Reiseziele auf meiner Bucket List, wie es Strandkörbe am Timmendorfer Strand gibt (da waren wir immerhin auch mal). Mittlerweile habe ich schon die eine oder andere Reise gemacht, dennoch habe ich bislang viel zu wenig von der Welt gesehen. Klar, das geht alles auch mit einem Kind, aber besser geht es ohne. Und überhaupt – ich soll dafür arbeiten und meinen Lebensstil einschränken, dass ein kleiner Fratz mir die Haare vom Kopf frisst?! Die angeblichen Muttergefühle setzen eben nicht bei jeder ein – auch wenn die Gesellschaft meint, es müsse so sein. Die Gesellschaft hat auch ewig homosexuelle Menschen verurteilt und das war noch größerer Bullshit.

„Ich will keine Kinder“ und ich brauche auch nicht Eure Erlaubnis

Der gesellschaftliche Druck, der auf der Frau, als gebärendes Wesen, lastet ist doch unfair: Sobald frau die Entscheidung eines kinderlosen Lebens trifft, ist sie direkt abnormal oder unemotional. Das bin ich bei weitem nicht. Ich mag Kinder gerne. Ich freue mich fast auf die Kinder meiner Freunde – nur sieht mein Lebensentwurf anders aus. Es gibt viele Singles oder Paare, die glücklich sind mit der Entscheidung, ein kinderloses Leben zu führen. Ich halte es für unangebracht – ja fast vermessen – diese Entscheidung zu bewerten oder jemandem vom Gegenteil überzeugen zu wollen. Das greift in die tiefsten Ecken der Privatsphäre ein und überschreitet in jedem Fall Grenzen. Sollte nochmal einer meiner „Eltern–Freunde“ ‘gut gemeint‘ meinen Lebensentwurf verhandeln wollen, rege ich mal ein Brainstorming zu deren Erziehungsmethoden an – mal sehen auf wie viel Verständnis das treffen wird.


Autorin: Konstanze Teschner

Photo by Jeremy Bishop on Unsplash

 

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