Caroline Rosales über ihr Leben als Alleinerziehende – und warum sie stolz darauf ist

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Die erfolgreiche Autorin Caroline Rosales liebt ihr Leben als alleinerziehende Mutter und macht sich mit ihrem neuen Buch für Single Moms stark. Ein Porträt über eine großartige Frau.

Sie sitzt zwischen Florian Langenscheidt und Bernhard Schlink. Caroline Rosales wartet im Berliner Prominentenlokal Borchardt auf unser Interview. An den Nebentischen haben sich der Verleger und der Autor von „Der Vorleser“ niedergelassen. „Ob ich zu Schlink gehen soll, um ihm zu sagen, dass ich nur wegen ihm zu schreiben angefangen habe?“, fragt Rosales. Es ist nicht ganz klar, ob es ein Witz ist oder ihr Ernst. Auf jeden Fall steht sie nicht auf, sondern bestellt sich das Tagesgericht.

Caroline Rosales ist „Single Mom“. Sie war auch schon „Stadt Land Mama“ und nächstes Jahr wird sie „Sexuell Verfügbar“ sein. Die 36-jährige Journalistin, Autorin und Bloggerin versteht es, klug und witzig über ihren Alltag auf Papier und in Blog-Posts zu erzählen. Ihr täglich Brot verdient sie als Redakteurin bei der Funke Gruppe (wo sie auch die wöchentliche Kolumne „Single Mom“ schreibt). Seit 2010 hat sie drei Bücher („Ich glaub, mich tritt ein Kind“, „Mama muss die Welt retten“ und „Single Mom“) veröffentlicht, im Januar soll „Sexuell Verfügbar“ erscheinen. Außerdem ist sie (Ex-)Gründerin und Bloggerin bei „Stadt Land Mama“ gewesen und zweifache Mutter. Sie ist streitbar, politisch, emanzipiert und sehr ehrlich im Gespräch.

Leben als Alleinerziehende: Was es wirklich heißt

Im Moment dreht sich ihr Wirken aber um eins: Single Mom. In ihrem aktuellen Buch schreibt sie darüber, was es wirklich heißt, alleinerziehend zu sein. Es geht um Kuchenterror im Kindergarten, Partnersuche via Tinder, Patchwork-Experimente sowie um Geld- und Job-Probleme von alleinerziehenden Müttern.

Dabei war „Alleinerziehend“ so weit weg von Caroline Rosales wie das „Borchardt“ von einer Hartz IV-Empfängerin. Mit 28 Jahren kam die erste Schwangerschaft. Das Glück scheint perfekt. Ihr Mann, ein erfolgreicher Manager, geht an Tag 5 wieder arbeiten. Sie bleibt zu Hause. „Ich wollte nach vier Monaten auch wieder arbeiten gehen, doch es gab gar keinen Kitaplatz für so ein kleines Kind“, sagt sie. „In Deutschland gehen Männer und Frauen als modernes Paar in den Kreißsaal hinein und kommen als 50er-Jahre-Paar wieder heraus“, zitiert sie Jakob Hein, Schriftsteller und ehemaliger Väterbeauftragter der Charité.

„Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen besser als der Arbeitsmarkt“

Rosales kippt ebenfalls in die so genannte „Re-Traditionalisierung“. Ihr Mann jettet für Meetings um die Welt, sie bleibt mit dem Kind daheim. Sie schreibt ihr erstes Buch, bekommt ihr zweites Kind und beendet ihr zweites Buch. „Irgendwie bestand mein ganzer Tag trotzdem aus putzen, wischen, wegräumen, aufräumen, saubermachen“, sagt sie. Sie habe den Kontakt zum Erwachsenenleben verloren und zur Business-Welt. Sieben Jahre hat sie studiert, sich fortgebildet und sich „den Arsch aufgerissen“, um jetzt Popos von zwei Kleinkindern abzuwischen. „Ich wollte nicht NUR Mutter sein“, gesteht sie. Doch „Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen besser als der Arbeitsmarkt“, erklärt sie. Letzteres ist wieder ein Zitat, diesmal von Soziologin Jutta Allmendinger. Soll heißen: Sie war einsam, „aber sehr gut versorgt“, erklärt sie.

Wenn die Trennung zum Befreiungsschlag wird

Rosales lebt den Walt Disney Traum mit dem erfolgreichen Helden, der Hochzeit und der happy Family. Nur, dass sie nicht happy ist. „Ich bin für diese Traumwelt nicht geeignet“, sagt sie und ihre Stimme klingt traurig. Nach fünf Jahren kann sie nicht mehr, krempelt ihr Leben um. Die Trennung ist wie ein Befreiungsschlag. Es folgt ein Sommer der ganz großen Entfaltung: Partys, Freunde, Dinner – die Kinder sind dabei, alle haben Spaß. Es wird getindert, geflirtet und getanzt.

„Als Single Mom habe ich alle Vorteile“, sagt sie freudestrahlend. Sie gestaltet sich ihr neues Leben komplett nach ihren Vorstellungen – von der Wohnung, über die Möbel bis zu den Freunden. „Keine Kompromisse. Ich bin das Gesetz“, sagt sie grinsend. Ob es denn auch Nachteile als Single Mom gäbe? Sie überlegt lange und schüttelt dann den Kopf. „Die Unterstützung kommt doch von allen Seiten: Kindergarten, Schule, eine helfende Großmutter und ein Au-pair“, sagt sie und genießt ihre Selbstentfaltung. Eine Neiddebatte über das Au-pair verbittet sie sich. „Als Full-Time-Working-Single-Mom ist das wirklich das kostengünstige Modell“, erklärt sie.

Leben als Alleinerziehende: Natürlich gibt es Herausforderungen

Auch über Herausforderungen als Single Mom muss sie länger nachdenken. „Das Geld zusammenhalten, auf mein Recht pochen, zahlenorientiert denken, wenn es um den Unterhalt geht“, sagt sie. Aber auch die Stigmatisierung als „Single Mom“ spricht sie an. Es sei immer noch unerhört sich vom Familienvater zu trennen und einige Freundinnenschaften seien zerbrochen. „Ich bin jetzt die lebende Kritik an ihrem Ehemodel“, gesteht sie und zuckt die Schultern.

Doch die Vorteile überwiegen alles. Keine Kompromisse und jede Menge Sex. „Am Anfang habe ich gedacht, eine Mutter von zwei Kindern nimmt doch keiner“, sagt sie lachend. Trotzdem wird das Tinder-Profil angelegt und ein Match gesucht. „Ich habe sorgsam überlegt, lange gewartet vorm ersten Treffen und bin kein Risiko eingegangen“, sagt sie. „Orthografie finde ich sexy! Wer ein falsches Koma setzt, ist raus“, erklärt sie lachend.

Schnell stellt sie fest: Die Männer stören sich überhaupt nicht an ihren Kindern. Solange sie sich nicht wie eine heiratswütige Helikopter-Mom benimmt. „Ich bin eh nicht die klassische Mutter, die abends vom Date aus Zuhause anruft, um zu hören, ob alles gut läuft“, erklärt sie. Ihr Glück, denn Männer fänden das „ätzend und unsexy“.

Sie wagt nach einer Zeit sogar eine neue Liebelei und ein Patchwork-Experiment mit einem Vater. Doch als der mit seinem Schulkind in Baby-Dudu-Sprache redet, ist der Liebesfunken erloschen. „Das war so uncool“, sagt sie und grinst. Inzwischen hat sie ihren Mr. Right gefunden, man lebt getrennt und liebt die Zeit zusammen.

Was rät Caroline Rosales anderen Single-Moms? „Tragt Euren hübschen Kopf oben. Egal, wie Ihr Euch fühlt, geht aus und sucht Euer Glück“.

Caroline Rosales: „Single Mom: Was es wirklich heißt, alleinerziehend zu sein“, Rowohlt Taschenbuch, Juli 2018.


Autorin: Tina Molin

Copyright: PR

 

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