Beckenbodenmuskel: Der geheime Liebesmuskel?

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Er wird mehr oder minder insgeheim auch Liebesmuskel genannt: Die Rede ist vom Beckenbodenmuskel. Doch trägt der Muskel seinen Spitznamen zu Recht? Und was genau hat die Beckenbodenmuskulatur mit der Intensität von Orgasmen zu tun. Wir klären auf.

Während Bauchmuskeln oder Pomuskel in unserer Selbstoptimierungs-Gesellschaft mitunter viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, schlummert unterhalb des weiblichen Beckens ein Muskel, der mindestens genauso spannend ist. Denn der Beckenbodenmuskel, so sind sich Experten sicher, fördert die Lust und sorgt für ein intensiveres sexuelles Erleben
– allerdings nur dann, wenn er auch ausgeprägt ist.

Warum der Beckenbodenmuskel für intesivere Orgasmen sorgen kann

Der Grund: Ist der Liebesmuskel fest und „trainiert“, werden die Sexualorgane besser durchblutet. Das wiederum sorgt für eine höhere Empfindsamkeit beim Sex. Orgasmen sollen auf diese Weise nicht nur schneller erreicht werden. Sie sollen sich auch intensiver anfühlen. Das zeigen sogar wissenschaftliche Untersuchungen: Eine Studie aus 2010 (Lowenstein), an der 176 Frauen teilnahmen, ergab, dass Frauen mit einer stärkeren Beckenbodenmuskulatur häufiger zum Orgasmus kommen als Frauen, die eine schwache Beckenbodenmuskulatur aufweisen.

Und auch für den männlichen Partner soll das Liebesspiel verbessert werden: Die Vagina verengt sich durch einen starken Beckenbodenmuskel, wodurch sich die Penetration für beide intensiver spürbar wird. Im Übrigen ist es auch für Männer sinnvoll, den Beckenbodenmuskel zu trainieren. Denn so können sie beispielsweise besser kontrollieren, wann sie zum Orgasmus kommen.

Zugegeben: Die primäre Aufgabe der Beckenbodenmuskulatur liegt nicht darin, das Lustempfinden zu verbessern, sondern darin die inneren Organe wie Darm, Gebärmutter oder Blase an ihrem richtigen Platz zu halten. Was viele fälschlicherweise zudem glauben: Dass das Beckenbodentraining lediglich etwas für Frauen ist, die gerade eine Schwangerschaft hinter sich haben oder älter sind. Und wahrlich kann ein schlaffer Beckenbodenmuskel zu einer leichten Inkontinenz führen. Doch das Training des Muskels ist so simpel in den Alltag integrierbar, der Effekt für Männer und Frauen jeden Alters offensichtlich so positiv, dass es verschenktes Potential wäre, den Liebesmuskel nicht zu trainiern.

Beckenboden trainieren: So geht’s

Natürlich kann man zu Yoni-Eiern und anderen Hilfsmitteln greifen. Es geht aber auch ohne. So ist Yoga mit seinen unzähligen Anspannungs- und Entspannungsübungen innerhalb der Asanas super für Deine Beckenbodenmuskulatur. Auch Pilates hilft. Doch auch an der Supermarktkasse, beim Zähneputzen oder bei der Arbeit kannst Du die Muskulatur stärken. Zunächst gilt es, den Muskel ausfindig zu machen:
Stell Dir vor, Du sitzt auf der Toilette und willst den Urinstrahl unterbrechen. Diese kleine Bewegung im Inneren – das ist der Beckenbodemuskel!

Nun spannst Du an, zählst drei Sekunden und lässt wieder locker. Das wiederholst Du 10 Mal. Beim nächsten kleinen Alltagstraining steigerst Du die Sekundenanzahl. Oder Du versuchst die Muskulatur so lange wie möglich anzuspannen: Vielleicht hältst Du eine ganze Minute durch? Ach ja, und versuche im Alltag aufrecht zu sitzen. Anlehnen mag zwar bequem sein, doch dadurch erschlafft auch die Muskulatur. Aufrechtes Sitzen ist nicht nur besser für Deinen Rücken, sondern auch für Deinen Beckenbodenmuskel.


Autorin: Frieda Hintze

Photo by Nicolas Rivas on Unsplash.com



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